Erfahrungsberichte – Sprachaufenthalte in Moskau


1.Wann war dein Sprachaufenthalt in Russland?

Ich habe mittlerweile mehrere Sprachaufenthalte in Moskau gemacht. Der kürzeste dauerte 10 Wochen (der Erste) bis hin zu einem Sprachsemester. Meine Freunde behaupten ich sei süchtig nach Moskau geworden, aber genau genommen macht es mir einfach Spass Russisch zu lernen und die russische Kultur bzw. die russische Seele mehr und mehr zu erkunden.

2. Warum möchtest Du Russisch lernen?

Am Anfang standen drei Dinge – mein Interesse an Fremdsprachen, mein Interesse an russischer Literatur und die Neugier wie es wohl wäre eine längere Zeit in Moskau zu wohnen. Ich wollte also mal beschnuppern wie schwer die russische Sprache ist, ob ich es schaffen würde wenigstens ein mittleres Sprachniveau zu erreichen und mir war von Anfang an klar, dass ich in Russland schneller Russisch lernen würde als wenn ich in der Schweiz mit Kursen und Lehrbüchern anfange.

3. Wieso hast Du Dich für Moskau entschieden?

Wenn Russisch, dann Russland – so war mein Anfangsmotto. 2008 bin ich dann das erste Mal nach St. Petersburg und Moskau gereist und für mich war schnell klar, das mir St. Petersburg als Tourist sehr gefällt und immer eine Reise wert ist, aber wenn ich länger in Russland leben und lernen will, dann auf jeden Fall in Moskau. St. Petersburg ist bilderhübsch, sehr europäisch und sehr flach (kaum Hochhäuser) – Moskau dagegen ist zwar keine interessante Stadt am Meer, schien mir aber viel “russischer”, viel pulsierender und aufregender.

Im Vergleich zu Genf ist Moskau natürlich eine Riesenmetropole, das kulturelle Angebot ist ein Vielfaches umfangreicher, und für mich der ideale Einstieg um Russland und die russische Kultur kennenzulernen. Mir ist natürlich bewusst, dass Moskau nicht den Rest des Landes widerspiegelt, aber ich denke es ist ein guter Start. Sobald ich sehr gut Russisch spreche werde ich anfangen durch Russland zu reisen.

4. Wie hast Du Dich vorher informiert?

Nun, zum einen hatte ich ja bereits ein Jahr zuvor eine Reise gemacht und somit wusste ich in welcher Stadt ich Russisch lernen möchte – in Moskau. Dann habe ich angefangen Informationen über Moskau zu suchen, d.h. eine kleine Liste was ich alles in der Stadt machen und sehen möchte und dann habe ich angefangen Sprachschulen zu suchen. Ich wollte möglichst direkt bei einer Sprachschule buchen, damit es nicht ganz so teuer wird. Ein Freund hat mich schliesslich noch auf zwei Sprachschulen aufmerksam gemacht und während die eine gar nicht antwortet, konnte ich mit der anderen alle Kurs- , Unterkunft- und Visadetails an einem Tag abklären. Ich bin dann noch zwei Wochen in den Urlaub gefahren und als ich wiederkam war die Visumseinladung fertig, ich habe mein Visum beantragt und 10 Tage später stand ich auf dem Roten Platz.

5. Warum hast Du nicht bei einem Sprachreisenanbieter gebucht?

Nun, mir ist natürlich nicht entgangen das es in der Schweiz mehrere grosse Sprachreisenanbieter gibt, welche schon seit Jahren Sprachreisen nach Russland organisieren. Zum einen fand ich die Preise ein wenig teuer und zum anderen hatte ich mir vorgenommen es lieber selber zu organisieren – um so direkte Kontakt in Russland zu knüpfen. Ich hatte sogar in Kauf genommen, dass irgendetwas schief geht oder es irgendwelche Probleme gibt – schliesslich lernt man dann die Fremdsprache um so schneller, der Aufenthalt ist aufregender und es gibt hinterher mehr zu erzählen – aber daraus wurde nichts, hat alles ohne Probleme geklappt, vielleicht auch besser so.

6. Wie zufrieden warst Du mit den Sprachkursen?

Es ging los mit einem Einstufungstest, die Sprachschule wollte erfahren wie viel (in meinem Fall eher wie wenig) Russisch ich bereits konnte. Meine erste Lehrerin Elena hat es sehr gut geschafft den Unterricht abwechslungsreich zu gestalten, uns aber auch zu fordern und so habe ich in den 10 Wochen wirklich sehr gute Fortschritte machen können. Gerade weil Sie nur Russisch gesprochen hat eher zweimal auf Russisch etwas erklärt hat statt ins Englisch auszuweichen, bin ich gerne zum Unterricht gegangen.

Der Unterricht selbst fand an 4 Tagen der Woche statt, so dass ich 3 Tage Zeit hatte Moskau zu erkunden. Die Unterrichtsmaterialien waren im Kurspreis mit inbegriffen, es gab in meinem Kurs jeden Tag Kurzgeschichten, Grammatikübersichten und Übungen sowie Zeitungsartikel und kleine Diskussionen. Die Anzahl der Gruppenteilnehmer schwankte immer zwischen 5 und 9 Teilnehmer, auch wenn wir die meiste Zeit 7 Leute waren.

7. Wie zufrieden warst Du mit der Lage der Schule / Unterkunft?

Es war wirklich ein Glücksfall. Ich brauchte morgens 3 Minuten von meinem Zimmer bis zur Sprachschule, und nach Kursende 2 Minuten in die Mensa und von dort 3 Minuten um zurück in mein Zimmer zu gelangen. Ich hab das jammern einiger Kursteilnehmer noch in den Ohren die sich selber eine Privatunterkunft am anderen Ende von Moskau gesucht hatten und jeden Morgen und Nachmittag 50 Minuten in der überfüllten Metro ausharren mussten während ich noch im Bett lag, bzw. meine Hausaufgaben machte. Im Winter der Schnee, im Sommer die Hitze – die Sprachschule direkt im Gebäude machte wirklich einiges einfacher und ich habe eine Menge Zeit gespart.

8. Was würdest Du beim nächsten Sprachaufenthalt anders machen?

Oh, jetzt muss ich wohl wie alle ehemaligen Sprachkursteilnehmer sagen: “Weniger ausgehen und mehr lernen / Hausaufgaben machen.” Aber eigentlich habe ich bei meinen weiteren Sprachaufenthalten 2010 und 2011 auch nichts anders gemacht als 2009, zum Unterricht gehen und lernen, dann ab in die Stadt, Museen ansehen, in kleine Cafes setzen, durch die schönen Parks spazieren und mehrmals die Woche ausgehen.

9. Bist Du in Russland umhergereist?

Ja, ich bin bereits zweimal nach St. Petersburg gefahren – beide Male von Moskau aus mit dem Nachtzug. Die erste Reise war noch vor meinem Sprachaufenthalt und die zweite während meines Sprachaufenthaltes. Ich habe einen Tag Unterricht ausfallen lassen und die drei freien Tage genutzt. Vier Tage sind ein guter Anfang um St. Petersburg zu erkunden. Wir haben uns eine Wohnung für diese vier Tage gemietet (Für 90 SFr. / Tag hatten wir zu Viert eine 2-Zimmer-Wohnung direkt am Newski Prospekt – mit eigener Küche zum kochen).

Ausserdem bin ich mit Freunden ein verlängertes Wochenende nach Suzdal und Wladimir gefahren. Dort konnte man sich auch problemlos eine Wohnung für ein Wochenende mieten und so den Aufenthalt und die Besichtigungen in Ruhe angehen. Weitere Reisen nach Irkutsk und andere Städte stehen zwar schon auf meiner Wunschliste, zuerst will ich aber noch weitere Fortschritte beim Russisch lernen machen.

10. Hast Du ein paar Insidertipps für Moskau?

Insidertipps sind so eine Sache, erzählt man Sie, verlieren Sie Ihren Reiz. Aber es gibt viele Plätze die mir in Moskau gefallen.

  1. Krizis Zhanra (Metro Chisty Prudy) – Ist an Wochentagen ein Cafe/Bar mit Restaurant und guter Musik und Freitags / Samstags Abend ein Klub. Das Publikum ist immer jung, häufig legt ein DJ auf und Essen und Getränke zu angenehmen Preisen.
  2. Filial (Metro Lubjanka) – Ein klein wenig teurer als Krizis Zhanra, aber trotzdem noch günstig für Moskau, neben leckerem Essen und Musik am Wochenende gibt es hier auch leckere Spicy Tea’s
  3. Avocado (Metro Chisty Prudy) – Leckeres vegetarisches Restaurant im Zentrum von Moskau, im Sommer mit Terasse und nur wenige Fussmeter von der Flaniermeile Chisty Prudy entfernt.
  4. Sisters Grimm – Restaurant (Metro Teatralnaja) – Sehr angenehme Atmosphäre, leckeres Essen und neben vielen Bücherregalen sind alle Tische mit weissen Papiertischdecken und Buntstiften ausgestattet. Essen, erzählen, lachen und malen.
  5. Papa’s und Propaganda (Metro Lubjanka) – Während am Wochenende die Qual der Club-Wahl erdrückend ist, geht man Donnerstags am besten ins Papa’s oder ins Propagana oder in beide Clubs (Fussweg 5 Minuten). Eintritt ist frei, Preise günstig und immer gute Stimmung / viele Leute.

So, dass als kleiner Start, es gibt noch viele interessante Plätze, ein paar behalte ich für mich, ein paar werdet Ihr selber schnell entdecken. Im Sommer lohnen sich auch Spaziergänge durch die vielen Moskauer Parks und Grünanlagen. Nicht zu vergessen – der alte Arbat und das Theater Vakhtangov.